A Travessia da Consciência — por Marcelo B. Cavalcante

Die Überquerung des Bewusstseins – von Marcelo B. Cavalcante

Es gibt unter den Menschen zwei grundlegende Einstellungen zur Existenz: die Wachheit und den Schlaf des Bewusstseins. Es geht hier nicht um den Schlaf des Körpers, sondern um den inneren Zustand, durch den wir die Realität wahrnehmen – oder eben nicht wahrnehmen. Manche gehen wach durch die Welt, achten auf das, was sie denken, fühlen und tun; andere bewegen sich wie von Gewohnheiten, Überzeugungen und Automatismen eingelullt, leben, ohne wirklich zu sehen.

Die Nacht, eine Metapher für das Unbekannte und die Ungewissheit, verdichtet sich immer über dem Leben. In bestimmten Momenten umhüllt sie uns vollständig, als ob die Dunkelheit uns umarmen würde. In diesem Szenario erscheint vor uns eine schmale Brücke ohne Geländer: der unvermeidliche Weg der Entscheidungen, Krisen, Transformationen. Jede Überquerung ist ein entscheidender Moment der Existenz. Es gibt keine Garantien, keinen absoluten Schutz – nur den Schritt, den wir tun.

Die Frage ist also nicht, ob wir überqueren oder nicht. Alle überqueren. Die eigentliche Frage ist, wie wir überqueren.

Manche überqueren mit geschlossenen Augen, vertrauen auf die Wiederholung gelernter Gesten, auf geerbte Meinungen, auf vorgefertigte Erzählungen, die Trost spenden. Es ist eine hypnotische Überquerung, bei der das Bewusstsein süchtig nach der scheinbaren Realität wird – abhängig von den Bildern, Geräuschen und Illusionen, die die Welt projiziert. In diesem Zustand glaubt die Person zu sehen, wiederholt aber nur; glaubt zu wählen, reagiert aber nur.

Andere überqueren mit offenen Augen. Nicht weil sie alles klar sehen würden – die Nacht bleibt Nacht –, sondern weil sie präsent bleiben. Sie wissen, dass sie über das Geheimnis gehen und akzeptieren diesen Zustand. Das Bewusstsein ist in diesem Fall nüchtern und klar: Es flieht nicht vor der Realität, lässt sich aber auch nicht von ihr berauschen. Es beobachtet, hinterfragt, unterscheidet.

Die Nüchternheit des Bewusstseins bedeutet nicht Abwesenheit von Emotionen oder Risiken; sie bedeutet lediglich, dass der Geist sich nicht der Betäubung der Unbewusstheit hingibt. Es ist der Zustand dessen, der erkennt, dass das Leben eine kontinuierliche Überquerung ist, bei der jeder Schritt Aufmerksamkeit und Verantwortung erfordert.

Vielleicht ist Erwachen im Grunde genau das: zu erkennen, dass die Brücke immer da war, dass die Nacht uns immer umhüllt hat, und dass die wichtigste Wahl niemals war, den Weg zu vermeiden – sondern zu entscheiden, ob wir schlafend oder wach gehen.

Die Dunkelheit verschwindet nicht für den, der die Augen öffnet.

Aber wer sie öffnet, lernt, darin zu gehen.

 

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